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Skizirkus überfährt Gletscherschutz

01.03.2005
In Tirol/A machen sich Politik und Seilbahnbetreiber auf, weitere Gletscher für den Skizirkus nutzbar zu machen. Umwelt- und Landschaftsschutz sowie Bergsteiger kommen dabei unter die Räder.
Die Klimaerwärmung wird die alpinen Gletscher immer schneller schmelzen lassen und uns grüne Winter auch im Hochgebirge bringen. Vor diesem Hintergrund ist die Erweiterung von Wintersportgebieten auch wirtschaftlich wenig sinnvoll.
Trotzdem wird der Ausbau der Gletscherskigebiete im Pitz- und im Kaunertal in Tirol wahrscheinlicher. Im Mai 2004 hatte der Tiroler Landtag den Gletscherschutzparagrafen novelliert. Seitdem können bestehende Gletscherskigebiete auf der Basis von Raumordnungsprogrammen erweitert werden, wenn sie touristisch besonders interessant sind. Seit Mai 2004 liegt der Entwurf des "Raumordnungsprogramms zum Schutz der Gletscher" vor, um das heftig gestritten wird. Zwei darin enthaltene Projekte im Ötztal stehen besonders in der Kritik: Im Kaunertal soll das Gletscherskigebiet am Weißseeferner 400 m in die Höhe über den Gepatschferner bis auf die Weißseespitze ausgedehnt werden und wäre mit 3.520 Metern dann die höchste österreichische Skistation. Vom Südtiroler Langtauferertal aus ist eine Zubringerbahn in Richtung Norden zum Kaunertal geplant. Im Pitztal gilt das Interesse des Seilbahnunternehmens der Erweiterung des Gletscherskigebietes mit den zwei nordseitig gelegenen, schneesicheren Gletschern Hangender Ferner und Karlesferner. Bis dato hatte die Landesregierung das Gletscher-Programm wegen des grossen Widerstands nicht genehmigt. Um das Stubaier Gletscherskigebiet schneesicher zu machen, wird zurzeit ein Beschneiungsprojekt verhandelt, das in seiner Endstufe 46 Hektar Fläche umfassen würde.
Die Wachstumsspirale dreht sich weiter. War die Neuerschliessung von Gletschern für den Pistenskilauf nach den Salzburger Richtlinien für die Skierschliessung seit 1990 verboten, ist dieses Verbot im neuen Entwurf nicht mehr enthalten.

Peter Haßlacher, Österreichischer Alpenverein