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Monitoring alpiner Artenvielfalt

03.11.2020
Fotofallen, Audiorekorder, Bodenproben: Ein alpenweit einzigartiges Forschungsprojekt dokumentiert die Auswirkungen der Klimakrise auf die Artenvielfalt im Nationalpark Berchtesgaden/D. Die Erkenntnisse sollen auch anderen Gebirgsregionen zugutekommen.
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Klimakrise und Artenvielfalt: Ein Forschungsprojekt im Nationalpark Berchtesgaden untersucht die Zusammenhänge. (c) Nationalpark Berchtesgaden, Kurt Wagner

Eine Bestandsaufnahme aller Tiere, Pflanzen und Pilze: Dieses Ziel verfolgt die Technische Universität München (TUM) gemeinsam mit dem Nationalpark Berchtesgaden. Zu Klimaveränderungen liege bereits viel Datenmaterial vor, wie Forschungsleiter Rupert Seidl von der TUM erklärt. «Dieses ergänzen wir jetzt durch die Auswertung von Pflanzenkartierungen, Insektenfallen, Fotofallen für Wirbeltiere, akustischen Aufnahmen von Vögeln und Fledermäusen sowie Bodenproben für Pilze und Bakterien.» Erste Ergebnisse werden Ende 2021 erwartet, beispielsweise zur Verbreitung von Arten in verschiedenen Höhen. «Da im Nationalpark klimatische Effekte nicht durch menschliche Aktivität überprägt sind, lassen sich hier die klimabedingten Änderungen in Ökosystemen besonders gut untersuchen», so Rupert Seidl. Die Messstationen sollen Zeitreihendaten über 2021 hinaus liefern und die gewonnenen Erkenntnisse auch für Ökosysteme anderer Gebirgsregionen nutzbar gemacht werden. Das Bayerische Umweltministerium fördert die Kooperation zwischen Nationalpark und TUM.

Die Biodiversitätskrise entschärfen

Wenn öffentliche Gelder in die falsche Richtung fliessen, schaden sie der Biodiversität. 160 Negativbeispiele aus der Schweiz listet eine im August 2020 veröffentlichte Studie auf, darunter die Zweckbindung der Verkehrsabgaben, die Förderung von Kleinwasserkraftwerken, reduzierte Steuersätze auf Mineralöl und vieles mehr. «Die Biodiversitätskrise könnte entschärft werden, würden Subventionen nur gewährt, wenn sie die Biodiversität nachweisbar nicht beeinträchtigen», meint dazu Irmi Seidl. Sie leitet die Forschungseinheit Wirtschafts- und Sozialwissenschaften an der Eidgenössischen Forschungsanstalt WSL und ist Mitglied des Sounding Boards der CIPRA. Ein Drittel aller Tier- und Pflanzenarten und fast die Hälfte der Lebensraumtypen sind alleine in der Schweiz gefährdet. Ähnlich dramatisch ist die Lage in anderen Alpenländern wie Österreich. Dessen Umweltministerium will nun 5 Millionen Euro investieren – in Forschung und Monitoring sowie Bewusstseinsbildung zur Biodiversität.

 

Quellen und weiterführende Informationen:

Erforschung von Artenvielfalt und Klimawandel in den Alpen (TUM)
Einzigartiges Monitoring der Artenvielfalt im Alpenraum startet (GaLaBau)
Gewessler richtet Biodiversitätsfonds ein (ORF)
Neuer Lagebericht: Europas Natur weiter unter Druck (Europäische Kommission)
Über 160 Subventionen schaden der Biodiversität in der Schweiz (WSL)
Una cassetta-nido per il fringuello alpino alla Capanna Gnifetti (Club Alpino Italiano, it)